Im vorherigen Beitrag habe ich erklärt, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Jetzt wird es persönlich – und zwar für dich. Denn bevor wir uns gemeinsam auf den Weg machen, lohnt es sich, kurz innezuhalten und eine der wichtigsten Fragen überhaupt zu stellen: Wonach strebst du eigentlich? Und weißt du auch, warum?
Nimm dir einen Moment. Denk wirklich darüber nach. Die Antwort, die als erstes kommt, ist nicht immer die ehrlichste.
Die meisten Menschen stellen sich diese Frage nie
Das klingt hart – aber es stimmt. Leider befinden sich viele Menschen jahrelang, manchmal ihr ganzes Leben lang, auf einem Weg, den sie nie bewusst gewählt haben. Er hat sich einfach ergeben. Schule, Ausbildung, Job, Routine. Irgendwann merkt man, dass man funktioniert – aber nicht wirklich lebt.
Am erschütterndsten wird das deutlich, wenn man sich anschaut, was Menschen am Ende ihres Lebens bereuen. Die australische Krankenschwester Bronnie Ware hat jahrelang Sterbende in ihren letzten Lebensphasen begleitet und ihre Erkenntnisse im Buch „The Top Five Regrets of the Dying“ festgehalten. Die fünf häufigsten Bedauern, die sie immer wieder gehört hat:
- „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben.“ – Nicht das Leben, das andere erwartet haben.
- „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.“ – Zeit lässt sich nicht zurückkaufen.
- „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken.“ – Ungesagtes bleibt ungesagt.
- „Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten.“ – Beziehungen brauchen Pflege, keine Absichten.
- „Ich wünschte, ich hätte mir selbst mehr Glück erlaubt.“ – Glück ist oft eine Entscheidung, keine Fügung.
Was fällt dir auf? Kein einziges dieser Bedauern handelt von zu wenig Arbeit, zu wenig Geld oder zu wenig Statussymbolen. Es geht immer um dasselbe: um Authentizität, Mut und gelebte Beziehungen.
Könntest du heute sterben – ohne etwas zu bereuen?
Ich kann diese Frage mittlerweile mit Ja beantworten. Nicht weil ich alles erreicht hätte oder weil mein Leben perfekt wäre – sondern weil ich weiß, dass ich auf dem für mich richtigen Weg bin und mein Bestes gebe.
Und das ist der Punkt: Wer jeden Tag alles ihm Mögliche tut, um seine eigenen Ziele zu verfolgen, kann am Ende nicht enttäuscht werden – selbst wenn nicht alles gelingt. Denn was außerhalb unseres Einflusses liegt, verdient auch nicht unsere Energie. Das ist kein Gleichgültigkeit, das ist Klarheit.
Schlechte Gefühle sind nur dann wirklich angebracht, wenn wir die Dinge, von denen wir wussten, dass wir sie tun müssten – nicht getan haben. Diese Gedanken sind wertvoll. Sie zeigen uns, wo wir uns selbst nicht treu waren. Auch die Stoiker lebten nach diesem Prinzip – dem Stoizismus ist in diesem Buch noch ein eigenes Kapitel gewidmet, dazu kommen wir später.
„Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“ – wirklich?
Diesen Satz hat wohl jeder schon einmal gehört. Er klingt inspirierend – aber wenn man ihn zu Ende denkt, wird er schnell unrealistisch. Wer würde am letzten Tag noch arbeiten gehen? Wer würde noch für die Rente sparen, Sport treiben oder schwierige Gespräche führen?
Ich finde diesen Satz ehrlich gesagt etwas irreführend. Er zeichnet ein Bild, das mit dem echten Leben kaum vereinbar ist. Deshalb würde ich ihn gerne ersetzen durch:
Lebe die Hälfte deiner Zeit, als würdest du morgen sterben – und die andere Hälfte, als würdest du 120 Jahre alt werden.
Das eine gibt dir Gegenwart. Das andere gibt dir Zukunft. Ein gutes Gleichgewicht ist in fast allen Lebensbereichen entscheidend – und dieses Buch wird dir helfen, genau das zu finden.
Wie findest du deinen Weg?
Genau darum geht es hier. Um das Wichtigste in deinem Leben: um dich. Dein Inneres, deine Werte, deine Ziele. Darum, zu wissen, was du wirklich willst – und den Mut aufzubringen, danach zu handeln.
Diese Reise beginnt nicht irgendwann. Sie beginnt jetzt. Und der erste praktische Schritt folgt direkt im nächsten Beitrag: Wie wird mit dem Buch gearbeitet? – denn eine gute Reise braucht auch den richtigen Kompass.